Definition: Was ist eine Zahnerosion?
Das Wort “Erosion” hast du vermutlich schon einmal gehört. Man kennt es eher aus dem naturwissenschaftlichen Bereich und bezeichnet damit die Abtragung von Gestein oder Boden durch Wind, Wasser oder Eis. Das passiert auf natürliche Art oder auch durch menschliche Einflüsse – zum Beispiel wegen falscher Landwirtschaft oder Abholzung. Das Prinzip ist bei der Zahnerosion dasselbe (in der Zahnmedizin übrigens auch dentale Erosion genannt). Hierbei trägt sich der Zahnschmelz und später im schlimmsten Fall auch die gesamte Zahnhartsubstanz nach und nach ab. Aufgrund dieser Tatsache hat das Phänomen auch seinen Namen erhalten. “Erodere” bedeutet auf Lateinisch nämlich “Abtragen”.
Ursachen
für diese Abtragung sind vor allem Säuren. Wenn sie immer wieder in Kontakt mit unseren Zähnen kommen, lösen sie Mineralien aus dem Zahnschmelz, wodurch er weicher wird und sich nach und nach sogar vollständig auflösen kann. Dasselbe gilt, wie eben schon kurz erwähnt, für die gesamte Zahnhartsubstanz, wenn keine Behandlung stattfindet.
Zahnhartsubstanz? Kurzer “Ausflug” zum Aufbau des Zahns
Das ging dir jetzt zu schnell? Damit du eine Zahnerosion wirklich verstehst, gehen wir kurz nochmal einen Schritt zurück und erklären dir, was die Zahnhartsubstanz überhaupt ist, die hier von Säuren attackiert wird.
Mit diesem Begriff bezeichnet man die mineralisierten, harten Gewebe des Zahns, den Zahnschmelz eingeschlossen. Man unterscheidet drei “Schichten”:
- Zahnschmelz: Die äusserste Schicht unserer Zähne und das härteste menschliche Gewebe.
- Dentin: Ein knochenähnliches Gewebe, auch Zahnbein genannt, das den grössten Teil der Zahnsubstanz ausmacht. Es sitzt geschützt unter dem Zahnschmelz.
- Wurzelzement: Die äusserste Schicht der Zahnwurzel. Sie besteht zu 65 Prozent aus Mineralien.
Eine Zahnerosion nimmt ihren Weg schlimmstenfalls durch alle drei Schichten; also von aussen nach innen bis zum Wurzelzement. Interessant dabei ist, dass keine Bakterien daran beteiligt sind – so, wie es bei Karies der Fall ist.
Die Tragik einer Zahnerosion: Ist der Zahnschmelz erst einmal zerstört, lässt er sich nicht wiederherstellen. Für unsere Zähne ist das ein riesiges Problem. Ohne Zahnschmelz sind sie schutzlos. Du kannst es dir ungefähr so vorstellen, als würden deine Autoreifen keine Gummis haben. Das machen die Reifen nicht lange mit; sie gehen kaputt. So ähnlich ist es auch mit den Zähnen: Schreitet eine Zahnerosion immer weiter fort, droht sogar der Verlust des Zahns.
Welche Säuren lösen Zahnerosionen aus?
Du fragst dich sicher: Was sind das überhaupt für Säuren, die unserem wertvollen Zahnschmelz und der gesamten Zahnhartsubstanz zu Leibe rücken? Hier unterscheidet man zwischen innerer (endogener) Säure und äusseren (exogenen) Säuren:
Innere Säure
Mit innerer Säure ist die Magensäure gemeint, auch Magensaft genannt. Sie befindet sich im Magen und zersetzt dort die Nahrung in kleine Bestandteile, damit sie besser verdaut werden kann. Bei manchen Magen-Darm-Erkrankungen mit Aufstossen (zum Beispiel Sodbrennen) kann sie jedoch über die Speiseröhre in die Mundhöhle gelangen und dort mit den Zähnen in Kontakt kommen. Passiert das einmal, ist das kein Problem: Unser Speichel gleicht den Säuregehalt im Mund dann wieder selbst aus. Gelangt aber regelmässig Magensäure in die Mundhöhle, schafft der Speichel es oft nicht mehr, den sauren pH-Wert des Magensaftes ausreichend zu neutralisieren. Die Enzyme der Magensäure lösen dann den Zahnschmelz auf – es entsteht eine Zahnerosion.
All das kann übrigens leider auch geschehen, wenn eine Person sich chronisch erbricht – wie bei der Bulimie (Ess-Brech-Sucht). Auch dann gelangt die Magensäure regelmässig in die Mundhöhle und kann dort Schäden an den Zähnen verursachen.
Gut zu wissen:
Hast du gewusst, dass ein trockener Mund dazu beitragen kann, dass dein Speichel die saure Wirkung bestimmter Lebensmittel nicht neutralisieren kann? Warum manche Menschen einen trockenen Mund haben und was sich dagegen tun lässt, liest du hier:
Äussere Säuren
Es gibt leider jede Menge Möglichkeiten, wie schädigende Säuren von aussen an unsere Zähne gelangen können. Wo sie sich verstecken? Beispielsweise in:
- Wein / Sekt
- Früchten (besonders in Zitronen, Orangen, Kiwi, Äpfel, Grapefruit)
- Softdrinks
- Fruchtsäften
- Essig (Salatsaucen wie Essig-Öl und Sauerkonserven)
- einigen Medikamenten (zum Beispiel Aspirin, Vitamin-C-Präparate)
- sauren Süssigkeiten (Weingummis, Kaubonbons)
Gut zu wissen:
Übrigens: Nicht nur Säuren sind Ursachen für eine Zahnerosion. Eine falsche Zahnputztechnik und insbesondere zu viel Druck beim Putzen können den Prozess massgeblich vorantreiben. Aber wie putzt man sich eigentlich – wissenschaftlich erwiesen – am besten die Zähne? Hier erfährst du es:
Symptome von Zahnerosionen
Anfangs bleibt eine Zahnerosion häufig unbemerkt. Das liegt daran, dass erst einmal “nur” die oberste Schicht der Zähne angegriffen wird, was noch keine Beschwerden verursacht. Ausserdem hat dieser erste Schaden auch keine Auswirkungen auf die Zahnfarbe.
Schreitet die Abtragung allerdings weiter fort und wird der Zahnschmelz immer dünner, kann das darunter liegende Zahnbein (Dentin) gelblich durchschimmern. Die Zahnoberfläche verliert nun auch ganz langsam ihren natürlichen Glanz und sieht matter aus. Manchmal zeigen sich sehr kleine, feine Risse, Betroffene haben dann poröse Zähne , es kann auch passieren, dass betroffene Zähne bröckeln .
Wird nun auch das Zahnbein immer weiter abgetragen, können die Zähne temperaturempfindlich werden und nun auch eine andere Farbe annehmen. Meist sehen sie jetzt aus wie durchsichtige Zähne – etwa so, als wären sie abgeschmolzen.
Zudem können fortgeschrittene Zahnerosionen dazu führen, dass die Bereiche, an denen die Zähne nach aussen gewölbt sind, sich abflachen oder sich sogar nach innen wölben. Auch können die Zahnspitzen und -kanten abflachen und die kleinen, natürlichen Fissuren verschwinden.
Die Folgen dieser Abtragung sind leider schwerwiegend: Neben den eben genannten Temperaturempfindlichkeiten kann es zu Fehlstellungen und Abflachen des Gebisses kommen. Auch können sich Schmelzrisse bilden – und in schlimmsten Fällen können sogar die Pulpa (innerster Teil des Zahns) und der Zahnnerv freigelegt werden. Am Ende steht der Zahnverlust durch die stetige Auflösung.
Behandlung einer Zahnerosion
Der Prozess einer Zahnerosion verläuft in verschiedenen Stadien . Von diesen Stadien hängt dann auch die Behandlung ab. Wird sie früh entdeckt und besteht noch keine Heiss-/Kalt-Empfindlichkeit der Zähne, kommt eine Versiegelung der Zahnoberflächen in Frage, die alle sechs bis neun Monate wiederholt werden muss. Eine Zahnversiegelung kannst du dir in etwa so vorstellen, dass deine Zähne einen “Schutzmantel” aus einem speziellen Kunststoff erhalten. Dieses Versiegelungsmaterial trägt der Zahnarzt auf den gereinigten und trockenen Zahn auf. In der Regel wird der behandelte Zahn zum Schluss noch fluoridiert.
Im Anfangsstadium einer Zahnerosion reicht diese Schutzmassnahme bestenfalls aus. Um langfristig Zahnerosionen zu verhindern, ist es aber wichtig, die Ursache für das Entstehen der Zahnerosionen ausfindig zu machen. Leidet die betroffene Person zum Beispiel an Sodbrennen? Ernährt sie sich vorwiegend mit säurehaltigen Lebensmitteln? In diesen Fällen müssen sowohl zugrundeliegende Krankheiten behandelt werden oder die Ernährung überprüft werden, um den Kontakt von Säuren mit den Zähne zu verringern. Zusätzlich müssen Betroffene weitere vorbeugende Massnahmen wie das Erlernen der richtigen Zahnputztechnik berücksichtigen und umsetzen. Alles darüber, was du tun kannst, um deine Zähne vor Säuren zu schützen, erfährst du im Abschnitt "Zahnschmelzabbau stoppen : Kontakt mit Säuren verringern".
Befindet sich eine Zahnerosion im fortgeschrittenen Stadium, ist die Behandlung umfangreicher. Sind beispielsweise bereits Dellen und Mulden auf der Zahnoberfläche zu sehen oder stehen schon die Ränder von Zahnfüllungen über, muss der Zahnarzt die Zahnsubstanz an diesen Stellen wieder ausgleichen. Dafür verwendet er in der Regel Füllungen aus Composite, wenn die Seitenzähne betroffen sind. Composite (oder auch Komposite geschrieben) sind plastische Verbundwerkstoffe, die zum grössten Teil aus Keramik-, Glas- und Quarzpartikeln bestehen.
Sind die Frontzähne betroffen, greifen Zahnärzte häufig zu Veneers – das sind dünne Plättchen aus Keramik oder Kunststoff, die auf den Zahn geklebt werden. Glücklicherweise ist es nur in besonders schweren Fällen nötig, die Zähne mit Kronen oder Teilkronen zu versorgen.
Gut zu wissen:
Veneers können grössere Defekte an den Zähnen “reparieren” und kaschieren. Wie genau läuft die Behandlung ab? Und gibt es auch Nachteile? Alles dazu erfährst du hier:
Zahnschmelzabbau stoppen : Kontakt mit Säuren verringern
Das Beste ist, eine Zahnerosion gar nicht erst entstehen zu lassen. Denn wie du bereits erfahren hast, ist verloren gegangene Zahnhartsubstanz unwiederbringlich weg. Die Zahnerosion lässt sich nicht mehr rückgängig machen . Die gute Nachricht: Du kannst sehr viel dazu beitragen, deine Zähne zu schützen und den weiteren Abbau von Zahnhartsubstanz zu stoppen. Wie genau das geht, erklären wir dir hier.
Achte auf deine Ernährung: Meide stark säurehaltige Lebensmittel
Die grössten Antreiber einer Zahnerosion sind die Säuren aus Lebensmitteln. Im besten Fall verringert oder vermeidest du den Konsum solcher Nahrungsmittel. Besonders säurehaltig sind Getränke wie Energy Drinks, Süssgetränke wie kohlensäurehaltige Fruchtsaftmischungen und auch alkoholische Erfrischungsgetränke (“Alkopops”). Auch das stetige und masslose Essen von Früchten, das viele Menschen als besonders gesund empfinden, ist schädlich für die Zähne. Denn: Früchte enthalten Fruchtsäure. Die Konsequenz, gänzlich auf Obst zu verzichten, ist dennoch falsch. Denn natürlich liefern uns Obstsorten wichtige Nährstoffe. Clever ist es, einen Kompromiss zu finden – zum Beispiel, indem du nicht permanent über den ganzen Tag verteilt Obst snackst, sondern dir die Frische-Bombe nur einmal am Tag gönnst, vielleicht als Nachtisch nach dem Mittagessen.
Ein Tipp für Profis: Kombiniere Zitrusfrüchte, die besonders belastend für die Zähne sind, doch einfach mal mit etwas Joghurt. Milchprodukte sind zwar selbst auch sauer, aber können dennoch die schädigenden Säuren neutralisieren! Und: Sie enthalten reichlich Kalzium, das die Härtung des Zahnschmelzes unterstützt.
Für Tee-Liebhaber:innen gibt es auch noch eine gute Nachricht: Schwarzer und grüner Tee kann dazu beitragen, den Zahnschmelz zu stärken.
Alltagspraktische Tipps für lustvolles und verantwortungsvolles Essen und Trinken
Natürlich wissen wir: Niemand schafft es, sich bei der Ernährung komplett von säurehaltigen Lebensmitteln fernzuhalten. Und wie du eben gelernt hast, ist das im Fall von Obst ja auch gar nicht unbedingt ratsam. Hier geben wir dir alltagspraktische Tipps, wie du beim Genuss von säurehaltigen Lebensmitteln vorgehen kannst, um einen Schaden von deinen Zähnen möglichst fernzuhalten.
- Trinke saure und süsse Getränke lieber in einem Zug aus als über einen längeren Zeitraum immer nur kleine Schlucke.
- Nutze beim Trinken säurehaltiger Getränke einen Trinkhalm – so verringert du den Kontakt mit deinen Zähnen.
- Trinke ein säurehaltiges Getränk am besten zu einer Mahlzeit. Dann wird die Säure nämlich leichter neutralisiert.
- Nicht für jeden etwas, aber hilfreich: Spüle nach dem Genuss von säurehaltigen Getränken oder Lebensmitteln deinen Mund mit Wasser – oder mit etwas Milch – aus. Milch hat eine neutralisierende Wirkung. Den gleichen Effekt hat der Genuss von Käse.
- Hab für unterwegs zahnfreundliche Kaugummis dabei. Sie verhindern einen trockenen Mund und regen deinen Speichelfluss an. Das ist wichtig, weil dein Speichel Säuren neutralisieren kann.
Gut zu wissen:
Das Kauen von ‘Black is white’ Kaugummi von Curaprox kurbelt nicht nur den Speichelfluss an. Durch die enthaltene Aktivkohle sorgt er auch schonend für weisse Zähne – ohne, dass dabei wertvoller Zahnschmelz verloren geht. Zusätzlich schützt Xylitol vor Karies und sorgt für einen angenehm süsslichen Geschmack.
Überprüfe deine Zahnhygiene
Je doller schrubben, desto besser? Lieber nicht! Wer gründlich Zähne putzen möchte, muss dabei nicht rabiat vorgehen. Ganz im Gegenteil: Wenn du zu stark putzt, reibst du dir damit zusäztlich Zahnschmelz ab. Deshalb achte unbedingt darauf, dass du eine Zahnbürste benutzt, die sehr weiche Borsten hat – oder du greifst zu einer elektrischen Zahnbürste mit verstellbaren Stärken und weichen Bürstenköpfen.
Gut zu wissen:
Die superweiche Zahnbürste CS 12460 Velvet von Curaprox verfügt über 12’460 samtig-weiche Borsten. Vergleich: Eine herkömmliche Zahnbürste hat in der Regel etwa 500 Borsten. Wenn du es lieber elektrisch magst: Die Hydrosonic easy reinigt die Zähne sanft mit bis zu 84.000 Reinigungsbewegungen pro Minute und verfügt über extra sensitive Bürstenköpfe.
Genauso wichtig wie sanftes Putzen ist die Wahl der richtigen Zahnpasta. Diese sollte Fluorid enthalten. Fluoride lagern sich in den Zahnschmelz ein und bilden einen “Schutzfilm” um die Zähne. Sie haben auch eine Art Superpower: Die Fluorid-Ionen bilden nämlich das Mineral Fluorapatit – und das ist nochmal härter als der Zahnschmelz selbst. Die Zahnoberfläche wird also durch Fluorid widerstandsfähiger gegen Säuren und Erosionen. Du fragst dich, wie viel Fluorid für deine Zähne gut ist? Alles darüber liest du in unserem Artikel “Fluoridhaltige Zahnpasta”.
Gut zu wissen:
Du möchtest deine Zähne mit ausreichend Fluorid versorgen? Die Zahnpasta Enzycal 1450 PPM Fluoride von Curaden hat eine extra hohe Fluoridkonzentration und beinhaltet zudem drei natürliche Enzyme, die die natürliche Abwehrkraft deines Speichels stärken.
Und noch ein Tipp für deine Zahnhygiene, den viele Zahnärzt:innen empfehlen: Nach dem Genuss von säurehaltigen Lebensmitteln eine halbe Stunde lang nicht die Zähne putzen. Dahinter steckt die Annahme, dass diese Nahrungsmittel den Zahnschmelz vorübergehend aufweichen und dieser dann für das sofortige Putzen zu empfindlich ist. Das Warten hingegen bewirkt demnach, dass der Speichel durch seine enthaltenen Enzyme für die Remineralisierung des Zahnschmelzes sorgt, sodass er nach 30 Minuten wieder robuster ist und sich die Mundflora wieder erholt hat..
Quellen:
Kleis Health Centre: Sodbrennen.
Initiative proDente e.V.: Geheimtipp Tee..
Julian Jankowski Dental practice: Säureschäden am Zahnschmelz durch Sodbrennen.
Kassenärztliche Bundesvereinigung: Fissurenversiegelung.
Thuringia Dental Association: Zahnerosion.
S&H Dental Centre: Abrasionen und Erosionen.
Swiss Dental Association: Zahnerosion.
Swiss Dental Journal: Die erosive Wirkung verschiedener Getränke, Speisen, Genussmittel, Medikamente und Mundspülungen auf den menschlichen Zahnschmelz. .
UKGM - University Hospital Giessen and Marburg: Zahnerosionen.
Zahnärztliche Mitteilungen, zm-Redaktion: Alcopops, Limo und Co.
Alle Websites zuletzt aufgerufen am 15. Juli 2024.
Swiss premium oral care